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Experiment: Bau eines germanischen Langhauses
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Was haben wir konkret vor?
Bau eines typischen germanischen Langhauses des 2.– 4. Jh. n. Chr. der Oberlausitz
Entwickeln und Testen verschiedener Bau- und Konstruktionstechniken
Arbeiten mit interessierten Laien in Generationenwerkstätten (Alter 12 – 99 Jahre)

Test und Umsetzung einzelner Bauabschnitte in Sommercamps 2010 und 2011


Wie soll das Haus aussehen? Holzkonstruktion Langhaus
Das germanische Langhaus (Wohnstallhaus) hat eine Größe (Länge x Breite x Höhe) von 15 x 5 x 4,5 m. Es handelt sich um einen dreischiffigen Pfostenbau aus Eichenholz. Im inneren ist es in einen kleineren Wohnteil und den größeren Stall- oder Wirtschaftsbereich unterteilt. Beide Bereiche sind nur durch eine einfache Wand voneinander getrennt. Das Haus besitzt zwei gegenüber liegende Eingänge an jeder Längsseite zwischen Wohn- und Stallteil. Zur Zeit der Germanen wurden beim Hausbau alle Pfosten unten angekohlt und ca. 0,5 bis 0,8 m tief in den Boden eingelassen. Wir weichen von dieser alten Praxis ab und stellen die Pfosten auf kleine Fundamente, die mit dem Boden abschließen. Somit werden sie nicht der Bodenfeuchtigkeit ausgesetzt und halten länger.
Der Fußboden des Hauses besteht aus einer dicken Schicht gestampften Lehm, in dem auch die Fundamente der Pfosten verschwinden.
Unsere Innen- und Türpfosten sind mit einem Durchmesser von 0,2 m für ihre Traglast deutlich überdimensioniert. In Zusammenarbeit mit der Bildhauerwerkstatt der Gemeinde Nebelschütz  (Steinleicht e. V. Nebelschütz) sollen in sie noch typische Ornamente und Muster der germanischen Zeit hineingeschnitzt werden.
Die Wandpfosten sind wie zu dieser Zeit üblich nicht in die Wand bzw. in die äußere Pfostenreihe integriert (kein mittelalterliches Fachwerk!). Sie werden von innen dagegen gesetzt. So ergibt sich eine durchlaufende Lehmflechtwand, die das Flechten mit den Weidenruten erheblich vereinfachte. Die Weidenruten werden um Eichenstaken gewunden und mit einem Strohhäcksel-Lehm-Gemisch verputzt. Da die Wände über Eck geflochten werden, sind die Hausecken leicht abgerundet. Zum Schutz gegen Regen werden die Wände mit Kalkmilch gestrichen und können danach noch mit diversen Mustern und Farben verziert werden.
Das Haus besitzt eine offene Feuerstelle im Wohnbereich, der mit Betten, Truhen, Tisch und Hockern bzw. Bänken eingerichtet wird. Fenster und ein Rauchabzug sind nicht vorhanden. Der Rauch wird sich seinen Weg durch das Dach suchen, das mit großen Holzschindeln gedeckt wird und eine Dachneigung von 45 Grad besitzt.

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Wissenswertes zum Langhaus
Die germanischen Siedlungen der ersten Jahrhunderte n. Chr. hatten dörflichen Charakter mit geringen Ausmaßen oder sie bestanden nur aus einem Einzelgehöft. Als Wohnhaus diente im Regelfall ein Langhaus. Dazu gab es diverse separate Nebengebäude, wie Speicher und Grubenhäuser für unterschiedliche Zwecke. Die Außenwände des Langhauses bestanden aus hölzernen Pfosten, zwischen denen sich mit Lehm verschmiertes Flechtwerk spannte. Das tief herabgezogene Dach war mit Rohr oder Grassoden gedeckt und wurde von hölzernen Pfosten getragen. Das Langhaus besaß üblicherweise nur eine Innenwand, die den Wohnbereich mit der Feuerstelle vom Stallbereich abtrennte. Der Rauch konnte über eine Öffnung im Dach abziehen, Fenster besaßen die germanischen Häuser nicht. In Abhängigkeit von der Nutzung und dem sozialen Status der Erbauer schwanken auch die Ausmaße der Langhäuser mit Breiten von 4 bis 7 m und Längen zwischen 10 und 60 m.
Soweit zur archäologische Theorie ...



Die archäologische Wirklichkeit
Tatsächlich lässt sich bei archäologischen Ausgrabungen nur der Grundriss eines Langhauses ermitteln, da sich die tragenden Elemente als Verfärbungen im Boden abzeichnen. Unter günstigen Umständen haben sich die untersten Zentimeter der Wandkonstruktionen erhalten und kleine Fragmente der Dachkonstruktionen sind uns lediglich aus wenigen Einzelfällen bekannt, da die organischen Baumaterialien über die Jahrhunderte verwittert sind. Die genaue Konstruktion der Wände oder die Dachkonstruktion und Dachdeckung lassen sich oftmals nur über Analogien mit bekannten traditionellen Bauweisen erschließen.

Langhäuser heute
Langhäuser haben eine uralte Tradition in bäuerlichen Kulturen und sind heute noch in vielen ländlichen Regionen mit abgewandelten Funktionsbereichen anzutreffen. Allgemein bekannt sind Rekonstruktionen von Langhäusern der Wikingerzeit (8. – 11. Jh. n. Chr.) in Skandinavien. Doch es finden sich auch moderne Varianten dieses historischen Haustyps. Ein schönes Beispiel ist das hochmoderne Niedrigenergiehaus auf der Insel Samsø in Dänemark, dessen Architektur einem altbewährten Langhaus der Wikingerzeit nachempfunden wurde.

Modernes Niedrigenergiehaus

▲ Dänemarks Erneuerbare-Energien-Insel Samsø:
Die dänische Insel Samsø strebt die vollständige Energieversorgung aus erneuerbaren Ressourccen an. Zur Bündelung aller Aktivitäten wurde in Ballen die Energieakademie Samsø eingerichtet. Das Gebäude ist ein Niedrigenergiehaus, dessen Architektur einem Langhaus der Wikingerzeit nachempfunden wurde.

(c) Foto: Jan Oelker / Agentur Focus , 2009
jan.oelker@gmx.de

 
Langhaus

▲ Zeichnerische Rekonstruktion eines germanischen Langhauses.

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